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Freitag, 26. Oktober 2007

Blutsbrüder

„Lass uns Abschied nehmen“, sagt Arthur. „Mein Herz fühlt mehr, als ich mit Worten sagen kann.“ Er schaut mir direkt in die Augen, sehr ernst und voller Zärtlichkeit: „Wir sind Männer, also weinen wir nicht. Und wenn ich dann tot bin und du dich den anderen Menschen widmest, von denen keiner dich so lieben wird, wie ich dich liebe, so denke zuweilen an deinen Freund und Bruder Arthur Müller, der dich jetzt segnet, weil du ihm ein Segen warst.“

„Hör’ bitte auf damit. Du bist verrückt. Was redest du da?“

Dabei frage ich mich, und die Frage lässt mich innerlich erbeben: Was ist das hier für eine Landschaft? Überall Steine und Geröll. Ein Flackern in der Abenddämmerung, als stünde der Himmel in Flammen – wie man es aus flämischen Ölgemälden kennt. Das Höllenlicht des Westens. Das letzte Licht. Es ist ein Gebirge, das ich noch nie gesehen habe und doch genau zu kennen glaube. Arthur legt mir tatsächlich die Hände auf die Stirn. Ich höre, dass er nur mit Mühe das Schluchzen unterdrücken kann und reiße ihn aus einem plötzlichen Impuls heraus mit beiden Armen an mich, indem ich weinend hervorstoße:

„Arthur, es ist ja nur eine Ahnung, ein Schatten, der vorübergeht. Du musst bei mir bleiben. Du darfst nicht fort! Wie soll ich denn ohne dich die postmoderne Frau finden?“

„Ich gehe fort“, antwortet er leise. „Folge dem Fisch. Wir laufen auf brennendem Wasser.“

Und in diesem Moment bemerke ich das Blut, das ihm aus allen Poren rinnt, als wäre mein Freund von einer Maschinengewehrsalve durchlöchert worden. Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist, wer ihn gemeuchelt hat, vielleicht sind einfach nur die Umstände schuld, doch mir wird klar: Er wird sterben. Deshalb sind wir hier. Ein Schmerz erfasst mich, wie ich ihn in meinem ganzen Leben nicht gefühlt habe.

Romeo loved Juliet, Juliet she felt the same
When he put his arms around her, he said "Julie, baby, you're my flame"

„Noch wird Hoffnung sein, mein Bruder“, tröste ich ihn – obwohl ich es, wenn ich ehrlich bin, besser weiß.

„Mein Bruder lege mich in seinen Schoß“, erwidert Arthur, und ich merke, dass er es ernst meint. Ich platziere also seinen blutwarmen Schädel zwischen meinen Beinen. Er röchelt und spuckt, ich spüre seinen heißen Atem. Dass das Ende so kommen musste, denke ich, in diesem düstern leuchtenden Todesgebirge. Was für ein Balagan. Und auf einmal merke ich: Wir sind gar nicht alleine. Ein paar Meter entfernt steht Pocahontas, die aussieht wie Lulu, oder umgekehrt. Pocahontas, die – ihrem Namen gemäß – immer alles durcheinander bringt. Sie schweigt, mustert uns prüfend, ist nackt bis auf die Prada-Gummistiefel. Ich will um Hilfe schreien, Pocahontas soll den Notarzt holen, wie auch immer, oder Charlotte oder Klara – vielleicht könnte Klara helfen. Doch jedes Mal, wenn ich sprechen will, bleibe ich stumm. Mir ist so übel, dass ich keine Silben formen kann. Tränen laufen über mein Gesicht. Anscheinend kann ich nur mit Arthur reden: Arthur, der stirbt wie ein verblutendes Raubtier.

„Hat mein Bruder noch einen Wunsch?“ frage ich ihn.

„Mein Bruder vergesse unsere Suche nicht. Bitte, jemand möge das Lied von der Königin des Himmels singen! Bitte!“

Ich starre auf Pocahontas’ kleine feste Brüste. Alles dreht sich, alles flackert. Ihr Blick ist spöttisch. Sie wird bestimmt nicht für uns singen. Doch ganz ohne mein Zutun ertönt schon eine Stimme aus dem Off, sie klingt nach Chris de Burgh, wenn Chris de Burgh des Deutschen mächtig wäre, und Chris de Burgh singt engelsgleich:

Madonna, ach, in deine Hände

Leg ich mein letztes, heißes Flehn:

Erbitte mir ein gläubig Ende

Und dann ein selig Auferstehn!

Ave, ave Maria!

Das Flackern rundherum erlischt. Friede kehrt ein. Am Himmel erscheint das feine, gütige Antlitz der Princess of Wales. Als der letzte Ton verklungen ist, will Arthur sprechen, doch es geht nicht mehr. Er, der immer so viel und so sinnlos und so zauberhaft geredet hat, bringt kaum noch ein Wort heraus. Ich streiche ihm durchs Haar, halte mein Ohr ganz nah an seinen Mund, und mit der letzten Anstrengung der schwindenden Kräfte flüstert er:

„Charlie, ich glaube an den Heiland. Arthur Müller ist ein Christ. Lebe wohl.“

Charlie? Wieso Charlie? Ich bin nicht Charlotte. Arthur, bitte!“

Es geht ein konvulsivisches Zittern durch seinen Körper; ein Blutstrom quillt aus Arthurs Mund. Ich küsse seine Lippen, die sich wie zarte Frauenlippen anfühlen. Mein Freund drückt nochmals meine Hände und streckt seine Glieder. Dann lösen sich seine Finger langsam von den meinigen – er ist tot. Pocahontas macht eine lockende Handbewegung, doch ich kann mich auf keinen Fall von der Stelle rühren. Meine Augen sind geschlossen. Ich will sie mit aller Kraft aufreißen, vergeblich, die Lider sind heiß, sind tränenverklebt. Als es mir endlich gelingt, fühle ich etwas Pelziges auf meinem Gesicht, eine Art Tatze. Ein schweres Gewicht drückt mich nieder, immer tiefer in den Abgrund. Es dauert mindestens zwanzig Sekunden, bis ich begreife, dass Arthur nicht tot ist und auch nicht durchlöchert, sondern durchaus vital auf mir liegt. In seinem Löwenkostüm. Fauchend. Draußen scheint es noch dunkel zu sein.

„Aufstehen!“ Er fährt mir mit der Pelzpranke übers Gesicht. „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir müssen bei Lulu sein, bevor sie sich verstecken kann.“

Obwohl dieser fraglos epochale Albtraum zum Glück vorbei ist, kann ich nicht sprechen. Ich fühle mich kraftlos wie ein Häftling nach sechs Wochen Hungerstreik. Keine Chance, Arthur, den König der Löwen, von meinem Körper und aus meinem Bett zu werfen. Mein Kopf glüht, das Kissen ist durchnässt. Sollte ich jemals wieder so einen Fiebertraum haben, bringe ich mich um, denke ich. Oder ich leiste mir mal eine nette kleine Analyse. Oder nehme Drogen, welche Träume an sich konsequent ausblenden. Aber nie wieder so einen Traum.

„Wie spät ist es denn?“ frage ich heiser. „Ich glaube, ich bin krank. Geh’ weg.“

Arthur rollt tatsächlich vom Bett auf den Boden, die Erleichterung ist groß. Er nimmt den lächerlichen Löwenkopf ab.

„Es ist gleich sieben“, sagt er. „Wir müssen los.“

„Du willst Lulu um diese Uhrzeit aus dem Bett holen? Bist du jetzt völlig geistesgestört?“ Meine Stimme gehorcht mir noch immer nicht so recht.

Arthur schält sich nun auch aus dem unteren Teil des Kostüms, unter dem er nichts als Shorts trägt. Er wirkt ein wenig angespannt.

„Erstens bin ich schon seit drei Stunden wach und starre auf das Kate Moss-Poster an deiner Wand. Zweitens habe ich Hunger und es gibt nichts zu essen. Und drittens sollten wir uns ein Beispiel an den Bullen nehmen. Die klingeln auch immer frühmorgens, wenn sie jemanden unbedingt antreffen wollen. Falls Charlotte bei Lulu ist, wird sie jetzt auf jeden Fall da sein.“

Ich ziehe mir die Decke über das Gesicht.

„Klar“, sage ich, „sie werden uns sicher herzlich empfangen. Mit Kaffee und Croissants. Außerdem ist das da an der Wand nicht Kate Moss, sondern Charlotte.“

„Ich dachte eher an Champagner und Lachs.“

„Du kannst dir nicht vorstellen, was ich geträumt habe.“

Captain Smith and Pocahontas had a very mad affair
When her Daddy tried to kill him, she said "Daddy-O don't you dare"

Nach unserem Besuch im Aquarium folgten wir gestern pflichtbewusst dem Python-Orakel und setzten die Schlüssel- und Charlotte-Suche in Kreuzberg, in der Ankerklause fort. Dort erinnerte man sich sehr wohl an Arthur, schließlich hat er in diesem Laden schon mehr Fassbier getrunken, als in den Landwehrkanal passen würde. Die zungengepiercte Kellnerin, mit der mein Freund in jener verlorenen Nacht angeblich ein anregendes Gespräch über Gartenarchitektur geführt haben wollte, vertrat allerdings beharrlich den Standpunkt, erst vor zwei Tagen aus dem Karibik-Urlaub zurückgekehrt zu sein, wofür auch ihre bronzefarbene Gesichtshaut sprach. Außerdem, so die Kellnerin, ginge ihr Gartengestaltung wie kaum ein anderes Thema am Arsch vorbei.

„Mir eigentlich auch“, sagte Arthur. „Das ist ja das Seltsame.“

„Was hast du nur gemacht?“ fragte ich. „Alles, woran du dich erinnerst, ist niemals passiert.“

„Wir müssen also das finden, woran ich mich nicht erinnern kann.“

Der Schlüssel lag natürlich nicht im Anker. Die Schlange, das schien offenkundig, hatte uns auf eine falsche Fährte gelockt, denn auch Charlotte zeigte sich nirgends. Wir tranken also drei, vier Bier, erfreuten uns an der Jukebox und gingen dann zu Fuß zu Lulus Wohnung, dem nächsten blauen Stern auf unserer Karte, dem nächsten potentiellen Charlotte-Versteck. Doch niemand machte auf, obwohl Arthur sogar ein paar Kanalkieselsteine gegen das dunkle Fenster warf. Seinen Plan, eine gute halbe Stunde später ein weiteres Mal – diesmal, zwecks besserer Tarnung, im Löwenkostüm – an die Tür zu klopfen, konnte ich ihm erstaunlicherweise ausreden.

„Wenn sie nicht da ist, ist sie nicht da“, sagte ich. „Und wenn Charlotte dich nicht sehen will, will sie dich nicht sehen.“

„Glaubst du, Pete hätte sich davon abhalten lassen? Manchmal muss man hartnäckig sein.“

„Pete hätte sie mit Blut bespritzt.“

„Morgen früh versuchen wir es wieder.“

Nach weiteren fünf Minuten unter der Decke gelingt es mir tatsächlich, mich aus dem Bett zu erheben. Alles tut weh, innen wie außen. Ich versetze dem Löwenkostüm am Boden einen Tritt und wanke zur Dusche, Traumfetzen geistern wie ein Flackern auf der Netzhaut durch mein Hirn. Mein blutender Freund. Das düstere Gebirge. Die kleinen Kate Moss-Brüste der Häuptlingstochter Lulu-Pocahontas, die alles durcheinander bringt.

„Na also“, freut sich Arthur.

Ich habe keine Lust, aufzustehen. Ich habe keinerlei Bedürfnis, jetzt, zu dieser unchristlichen Zeit, bei der Frau zu klingeln, mit der ich einmal den Sex meines Lebens hatte, was sie aber – so steht zu fürchten – für ihre Person ein wenig anders formulieren würde. Ich bin dieser ganzen, unsternbedrohten Suche müde. Aber ich stehe auf – und ich verrate auch, wieso:

Ich will, dass Arthur und Charlotte wieder zusammenkommen. Ich will wieder Zeit mit den beiden verbringen und vielleicht ab und zu ein paar Abenteuer mit ihnen erleben. Ich will nicht, dass Charlotte, Lulu und sogar Dimona für immer aus meinem Leben verschwinden. Ich will, dass diese Geschichte wie ein verfluchter Hugh Grant-Film endet. Wie ein Chris de Burgh-, nicht wie ein Joy Division-Song. Das liegt mir irgendwie im Blut, ich kann es nicht ändern. Doch wie mein Freund Arthur am Flughafen Tempelhof erklärte: Ein sentimentaler Mensch glaubt, die Dinge blieben so, wie sie sind. Ein romantischer Mensch hingegen vertraut verzweifelt darauf, dass sie eben nicht so bleiben, wie sie sind. Inzwischen weiß ich, dass dieser elende Snob nur F. Scott Fitzgerald zitiert hat, ich habe es noch am selben Tag recherchiert. Bezogen auf Arthur und Charlotte müsste ich gleichwohl sagen: Ich will, dass die Dinge wieder so werden, wie sie waren, nur anders, also wie sie idealerweise sein könnten, woran ich nicht glaube, stehe aber trotzdem auf, obwohl ich vierzig Grad Fieber habe und mich vor Lulu Lilienblum fürchte, um – in meiner grenzenlosen Verzweiflung – alles dafür zu tun, dass die Dinge wieder so werden, wie sie niemals waren oder gar niemals sein konnten. Was für ein Balagan. Ave Maria.

„Beeil’ dich!“, ruft Arthur, während ich kochend heiß dusche – mit brennendem Wasser, sozusagen. „Es wird schon hell.“

„Hat mein Blutsbruder noch einen Wunsch?“ frage ich.

[Wird Charlotte bei Lulu sein? Oder gar Arthurs Schlüssel? Letzteres wäre nun wirklich verdächtig. Die Suche geht weiter vielleicht im nächsten Post...]

Donnerstag, 27. September 2007

Dire Straits

„‚Der DJ legt chillige Musik auf. Der Raum ist in rötliches Licht getaucht. Mal geht ein Bier, mal ein Energy-Drink über den Tresen. Alles im Safe-Club deutet auf einen ganz normalen Discoabend hin. Doch etwas ist anders: Niemand tanzt, niemand steht herum. Diszipliniert sitzen die Besucher an wabenförmigen Tischen. Pokertischen.’“ Arthur reicht mir die neueste Ausgabe des Kundenmagazins der Berliner Sparkasse. „Findest du es seriös“, fragt er mich, „dass ausgerechnet die Sparkasse das allgemeine Pokerfieber noch weiter anheizt? Schau mal hier: ‚Onlinepoker zu Livepoker – das ist wie Onlinesex zu echtem Sex.’ Bei so einem Institut würde ich mein Geld jedenfalls nicht anlegen.“

„Du hast kein Geld“, sage ich, „deshalb sind wir ja hier.“

Sparkasse, Hackescher Markt. Bunte Blätter bedecken die Piazza, wir bringen mal eben unsere Schäfchen ins Trockene. Die Schlange ist erschreckend lang. Arthur und ich warten darauf, dass sein ganz persönlicher Berater ein paar Minuten für ihn erübrigen kann. Ich musste meinem Freund versprechen, ihn zu diesem Anlass – völlig aussichtslose Verhandlungen über eine eventuelle Erhöhung seines Dispo-Kredits – zu begleiten. Ohne mich würde er das nicht durchstehen, sagte er. Arthur Müller in einer Sparkassenfiliale – das ist tatsächlich wie Bin Laden im Pentagon, wie Liam Gallagher auf der Geburtstagsfeier seines Bruders Noel, wie Ariel Sharon auf dem Tempelberg: die Höhle des Löwen erscheint dagegen als Streichelzoo. Doch Arthur blieb schlicht keine Wahl. Er ist den ganzen Weg hierher zu Fuß gegangen, weil er kein Geld für die U-Bahn hatte und bereits wegen mehrfacher Beförderungserschleichung von der Justiz verfolgt wird. Die Hitze in diesem Raum ist kaum auszuhalten. Über einem Kontoauszugsdrucker hängt ein Plakat. Es zeigt ein junges Liebespaar auf einem Balkon und soll vermutlich zu besonders passioniertem Sparen animieren.

Juliet, the dice were loaded from the start

„Als ich vorhin online meinen Kontostand prüfen wollte“, erzählt Arthur jetzt, „ist mein Rechner zweimal abgestürzt. Wahrscheinlich wird mein persönlicher Berater sofort die Polizei rufen. Oder ein Killerkommando.“

„Tot nützt du ihnen gar nichts.“

„Doch. Sie könnten sich auf diese Weise immerhin an meinem Zahngold bereichern. Ist dir bewusst, wie hoch der Goldpreis zur Zeit ist?“

„Nein“, antworte ich, „das ist mir nicht bewusst. Wieso hast du dein Konto eigentlich bei dieser Filiale hier?“

Sein Gesicht nimmt einen träumerischen Ausdruck an: „Damals, als ich vom Kottbusser Tor an den Hackeschen Markt gewechselt bin, hatte ich noch den Anspruch, ein Mover and Shaker zu werden. Und dieser Anspruch sollte sich auch in der Wahl meiner Sparkassenfiliale manifestieren.“

„Verstehe. Klingt natürlich besser als ‚Stadtsparkasse Castrop-Rauxel’.“

Die Schlange bewegt sich keinen Zentimeter. Ganz Mitte lebt offenbar über seine Verhältnisse.

„Ich könnte vielleicht“, sinniert Arthur, „notfalls die Weltbank um einen Kredit bitten.“

„Wenn irgend jemand Entwicklungshilfe verdient, dann du.“

„Falls das hier heute nicht klappt, werde ich sofort Bob Geldof – Sir Bob Geldof – oder Bono anrufen. Auf die ist immer Verlass.“

„Du könntest so viel unbeschwerter leben“, sage ich. „mit der flexiblen Kopf-Frei-Vorsorge und staatlicher Förderung. Hast du eigentlich schon mal über deine Rente nachgedacht?“

„Renteneintrittsalter: sofort. Das werde ich gleich in die Wege leiten.“

„Wie geht’s Charlotte?“ frage ich.

„Ich habe den Dispo-Kredit ja damals eigentlich beantragt“, sagt Arthur, „damit mein Konto zukünftig genauso spontan reagiert wie ich.“

„Du hättest lieber ein KNAX-Konto eröffnen sollen“, sage ich. „Da gibt’s keinen Dispo.“

„Was für ein Konto?“

Mein Freund weiß nicht, wovon ich rede. Seine Eltern, behauptet er ernsthaft, hätten ihm in seiner Kindheit das von ihm dringlich gewünschte eigene Konto verwehrt, damit er auf gar keinen Fall den korrekten Umgang mit Geld erlernen würde – eine Strategie die sich fraglos als erfolgreich erwiesen hat. Ich selbst hingegen besaß – wie fast jedes Kind, glaube ich – ein KNAX-Sparkonto, auf das immer mal wieder ein paar Mark meines Taschengeldes flossen. Die Rendite nach zwölf Monaten betrug etwa siebzig Pfennig. Ich erinnere mich daran ohne jede Sentimentalität, eine etwaige Generation KNAX wollen wir hier gar nicht erst heraufbeschwören. Denn schon damals empfand ich die alle zwei Monate erscheinenden Comic-Hefte, die den juvenilen Kontoinhaber durch das Jahr begleiteten und immer noch begleiten, als eher humorlos und etwa so unterhaltsam wie die Apotheken Umschau, obgleich mir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht klar war, mit welch skrupelloser kapitalistischer Indoktrination ich es zu tun hatte.

„Sei froh, dass du damit verschont wurdest“, sage ich zu Arthur.

Ich schere kurz aus der Schlange aus und bitte die Dame am Schalter um die aktuelle Ausgabe des KNAX-Magazins. Plötzlich kommt alles zurück: Die entlegene Insel Knax, wo das Volk der Knaxianer in einer mittelalterlichen, auf Agrarwirtschaft basierenden Dorfgemeinde haust. Diese Menschen, die Namen wie Pomm-Fritz, Pomm-Friedel und Pierre Kattun (der Schneider und Künstler) tragen, sind beinahe ausschließlich mit Arbeiten und Putzen beschäftigt, bisweilen gibt’s zur Belohnung ein gutes Essen. Doch das Böse ist nicht weit: Die Feinde der fleißigen Knaxianer hausen auf Burg Fetzenstein – eine faule Schar finsterer Räuber, angeführt vom Hauptmann Fetz Braun, die ewig danach trachtet, den Knaxianern die Früchte ihres redlich erworbenen Reichtums abzuluchsen. Naturgemäß ohne Erfolg. Zur Strafe muss Fetzens Bande am Ende jeder Episode härteste Sklavenarbeiten für die Knaxianer verrichten.

„Aber diese Faulpelze haben es ja auch nicht anders verdient“, sage ich.

„Ich identifiziere mich bereits jetzt mit der tragischen Figur des Fetz Braun“, erwidert Arthur. „Wir müssen uns Fetz Braun als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

„Die Helden der Geschichten sind ein Junge und ein Mädchen, die offenbar keine Erziehungsberechtigten haben. Man denkt immer, nun könnte sich doch mal eine Romanze zwischen den beiden entwickeln, doch natürlich kommt es nie dazu. Sie heißen Dodo und Didi.“

„Dodi und Di?“ Arthur lacht.

„Natürlich gibt es auf der Insel KNAX auch eine Sparkassenfiliale. Außerdem veranstalten die deutschen Sparkassen jedes Jahr die so genannte KNAXIADE, die der körperlichen Ertüchtigung der deutschen Kinder dienen soll und verdächtig paramilitärische Züge trägt.“

„Warum nennen sie es nicht einfach Spartakiade?“

Ich blättere das Heft durch. Abgesehen von einem Interview mit irgend einer Teenie-Band, in dem deren Mitglieder übers Sparen an sich philosophieren, und ein paar DVD-Tipps hat sich seit den Achtzigern praktisch nichts verändert. Selbst die im Jahr 2007 völlig anachronistisch anmutende Brieffreundschaftsseite existiert noch. Einen Moment lang bin ich fast gerührt. Allerdings erscheint es heutzutage befremdlich, dass dort Kontaktgesuche neunjähriger Mädchen mit vollem Namen und Adresse abgedruckt sind.

„Vielleicht solltest du lieber im KNAX-Heft inserieren“, sage ich. „Zum Beispiel: ‚Arthur Müller (31). Quadrat U6 Hausnr. 14, 68161 Mannheim. Hobbys: mein Meerschweinchen Mimi, Reiten, Chatten, Diddl sammeln, KNAX lesen sowie Postmoderne Frauen.’“

„Einen Moment, bitte“, entgegnet Arthur.

And I bet and you exploded in my heart

Mein Freund öffnet seine Umhängetasche und holt einen alten Bekannten heraus – den Schuhkarton. Während die anderen Menschen in der Schlange kleine Ordner mit Kontoauszügen in den Händen halten, trägt Arthur seine Privatkollektion amouröser Briefe bei sich – Auszüge und Momentaufnahmen eines permanent zwischen Soll und Haben oszillierenden Liebeslebens.

„Der Schuhkarton“, sage ich.

„In der Tat.“

„Ich dachte, Du hättest dich, nun ja, von ihm gelöst.“

„Schon möglich“, erwidert Arthur. „Aber hierher, an diesen kalten und entfremdeten Ort, musste ich ihn einfach mitnehmen. Ich brauche jetzt ein bisschen Liebe, ein bisschen Poesie.“

„Das leuchtet ein.“

„Außerdem sind zwei neue hinzugekommen.“

„Liebesbriefe?“

„Nicht direkt Liebesbriefe. Es sind E-Mails. Zwei Individuen haben auf meine Annonce geantwortet.“

Zunächst will ich es nicht glauben. Doch tatsächlich belegt die Adresszeile beider Ausdrucke, die Arthur mir nun präsentiert, dass es sich um Bewerbungen an postmoderngirl@gmx.li handelt. Seine Anzeige in einem Berliner Stadtmagazin trägt also erste Früchte – wenngleich nicht die schmackhaftesten und, vor allem, nicht die postmodernsten, wovon das erste Schreiben Zeugnis ablegt.

„‚Hallihallo’“, liest Arthur mit gequälter Miene vor. „‚Vielleicht bin ich nicht gerade super-hyper-postmodern, aber ich arbeite immerhin bei der Post und habe auch sonst eine Menge zu bieten. Ich bin sehr humorvoll und finde, jeder Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag. In meiner Freizeit singe ich übrigens in einer Rock-Gruppe.’“ Mein Freund schaut mich an. „Rock-Gruppe. Das steht da wirklich. Und dann: ‚Unser halbes Dutzend Fans sagt, wir klingen wie eine Mischung aus Silbermond und Wir sind Helden...’“

„Okay, das reicht“, sage ich.

„Allerdings.“ Arthur zerknüllt den Zettel mit einer Hand und wirft ihn in den Papierkorb neben den Kontoauszugsdruckern. „Das Ganze auch noch ohne Foto. Und ein extrem detaillierter Lebenslauf ohne Geburtsdatum. Als Personalchef hat man’s nicht leicht. Die zweite Bewerbung klingt da wesentlich interessanter.“

„Lies vor.“

„Es ist nur ein einziger Satz, hör’ zu: ‚Die postmoderne Frau ist – ebenso wie der postmoderne Mann – unsternbedroht und dem Untergang geweiht; der Sinn liegt aber in der Suche selbst.’“

Unsternbedroht? Was ist denn das für ein Wort?“

„Keine Ahnung. Aber es klingt nicht gerade positiv.“

„Irgendjemand spielt da mit dir. Vielleicht Charlotte und Lulu. Oder Klara.“

„Glaub’ ich nicht.“ Er schüttelt den Kopf. „Wie sollen die davon wissen? Die Absenderadresse erlaubt jedenfalls keinerlei Aufschlüsse.“

„Wirst du antworten?“ frage ich.

And I forget the movie song
when you wanna realize it was just that the time was wrong, Juliet?

In diesem Moment tritt ein silberhaariger Mann vor uns aus der Schlange und verkündet wutschnaubend, dass er angesichts dieser DDR-Wartezeiten hier lieber die Bank wechseln wolle, als sich noch weiter die Beine in den Bierbauch zu stehen. Doch niemand außer uns hört ihm zu – und niemand außer Arthur und mir bemerkt, dass der flüchtende Herr ein T-Shirt mit dem verwaschenen Aufdruck Dire Straits trägt.

„Dire Straits“, murmelt Arthur. „Auch kein schlechter Name. Noch eine Lieblingsband von Diana.”

„Der Fall liegt aber wesentlich komplizierter als bei Duran Duran oder Chris de Burgh“, sage ich. „Dire Straits haben sich nämlich erst graduell zu einem durch und durch abstoßenden Produkt entwickelt.“

Man muss sich das mal vorstellen: Im explosiven Punk-Jahr 1977 drehen Mark Knopfler und seine Angestellten in den Pubs die Verstärker herunter, damit das Publikum während der Show Konversation betreiben kann. Fast schon wieder subversiv, könnte man meinen. Die ersten beiden Platten klingen leicht und lässig. Doch bald folgt bekanntlich Stadionrock der übelsten Sorte. Dire Straits gerieren sich schwerfällig, bieder und gierig, verseuchen den Äther mit Musiksondermüll wie „Walk of Life“. Sie werden gewissermaßen zur Sparkasse unter den Gitarrenbands – ebenso vermögend, so omnipräsent und so langweilig. Nicht umsonst tummeln sich auf den Konzerten Tausende ganz persönliche Sparkassenkundenberater in bunten kurzärmligen Hemden, die dann vor allem bei „Money for Nothing“ lauthals mitsingen.

„Mit dem Album Making Movies etwa kippte das Ganze“, bemerke ich. „,Romeo and Juliet’ ist schon ein Grenzfall.”

Arthur nickt: „Stimmt. Herr Knopfler bewegt sich hier auf äußerst dünnem Eis: ‚Juliet, when we made love you used to cry – you said I love you like the stars above, I’ll love you, baby, till I die!’ Das ist nicht romantisch. Das ist Kitsch.“

„Da wäre ich mir nicht so sicher. Zumal die Vergeblichkeit dieser Liebe immer wieder betont wird: The dice were loaded from the start. Du musst das Ganze auch vor dem Hintergrund des Shakespeare-Stücks sehen – und das ist ja wohl romantisch.“

„Ich hasse Shakespeare.“

„Shakespeare kann man nicht hassen“, erwidere ich. „Das ist so, als ob man Pizza hassen würde. Oder Bier.“

„Ich mag Pizza“, sagt mein Freund versonnen. „Und Bier auch. Charlotte liest immer Shakespeare auf ihrem kleinen Balkon. Handelt der Dire Straits-Song ‚Tunnel of Love’ eigentlich von Princess Diana und ihrem Dodi?“

Wir sind jetzt die ersten in der Schlange. Die große Schlacht steht kurz bevor.

„Außerdem“, fahre ich fort, „zitiert ‚Romeo and Juliet’ ja noch Passagen aus West Side Story, also einer modernen Shakespeare-Variation. Dire Straits liefern hier ein vorzügliches Beispiel für postmoderne Romantik.“

„Na ja.“ Arthur ist skeptisch.

Im meinem Kopf entsteht ein gewaltiges Balagan, doch – infiziert vom Morbus Arthur Müller – kann ich mich nicht mehr beherrschen: „Die Familien von Romeo und Juliet“, sage ich, „sind ähnlich verfeindet wie die Knaxianer und Fetz Brauns faule Bande. Allerdings steht in diesem Fall das todgeweihte Liebespaar – also Didi und Dodo – auf der selben Seite, während Di und Dodi... Bürgerblut befleckt jedenfalls Bürgerhand.“

Doch während ich noch über Didi und Dodo, Dodi, Di und Dire Straits nachdenke, merke ich, wie ein Zittern durch den Körper meines Freundes geht. Wir sind dran. Arthurs persönlicher Bankberater, ein sympathischer Mann Ende dreißig, den mein Freund angeblich schon mal bei einem New Order-Konzert getroffen haben will, nickt uns aufmunternd zu. Den Telefonhörer in der Hand, deutet er mit einer entschuldigenden Geste auf zwei gemütliche Sessel, in die wir uns ganz unbeschwert fallen lassen. Arthur stellt seinen Schuhkarton auf dem Boden ab.

„Ich kann das nicht“, flüstert er, während der Herr von der Sparkasse noch telefoniert, „der Typ trägt eine Simpsons-Krawatte!“

Tatsächlich: Marges dunkelblau leuchtende Turmfrisur ist gut zu erkennen.

„Pokerface, bitte“, sage ich und nehme seine Hand. „Er wittert es, wenn du Angst vor ihm hast.“

Montag, 17. September 2007

Hungry Heart

„Das größte Verbrechen des Elton John“, sagt Arthur, „ist – neben seinem Louis XIV.-Kostüm, natürlich – der Gedenksong für Lady Di.“

Lulu stöhnt auf: „Bitte. Heute. Keine. Pop-Nerd-Diskussionen.“

„Lulu, wie würdest du dich denn fühlen? Nehmen wir an, Du bist Marylin Monroe. Du stirbst einen frühen glamourösen Tod. Und Elton John verfasst diesen bewegenden Nachruf auf dich – ‚Candle in the Wind’.“

„Der Text stammt von Bernie Taupin“, sage ich.

„Egal.“ Arthur trinkt seinen Wein wie Mineralwasser. „Die Menschen hören also jahrzehntelang täglich im Radio dieses Lied über dich, Norma Jean Baker. Dann verendet Diana in ihrem Tunnel. Und weil bis zum Begräbnis nicht mehr genug Zeit bleibt, einen neuen Song zu komponieren, schreibt Elton John die Eloge auf dich, die einzigartige Marilyn, einfach um. Wie skrupellos kann man sein!“

„Wenn Elton John jemals auch nur eine einzige Note für mich komponiert, reiße ich ihm sein Toupet vom Kopf bis das Blut gegen seine Louis XIV.-Tapete spritzt“, erwidert Lulu.

„Die frühen Sachen sind gar nicht so schlecht“, sage ich.

Arthur redet sich einmal mehr in Rage: „‚Goodbye Norma Jean’ wird einfach zu ‚Goodbye England’s Rose’ umgetextet. Es wundert mich, dass er nicht auch noch eine Version für Freddie Mercury gemacht hat. Oder für Rudolf Mooshammer. Oder für jeden, der im Home Shopping-Kanal eine bestellt.“

„Möchte noch jemand etwas Käse?“ fragt Charlotte.

Während draußen ein Blatt nach dem anderen von den Bäumen fällt, sitzen Lulu, Charlotte, Arthur und ich – sowie die kleine Dimona, versteht sich – in gemütlicher Chalet-Atmosphäre zusammen. Zwar ist Lulus Kreuzberger Wohnung eher minimalistisch eingerichtet, doch das Raclettegerät strahlt eine heimelige Wärme aus. Arthur konnte zudem in einem Geschenkartikelladen etwas Kunstschnee besorgen, welcher nun die Tafel schmückt. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, eine CD mit beliebten Aprés-Ski-Hits zu kompilieren. Auf dem Tisch stehen Blumen, die mein Freund und ich noch bei der prämodernen, ja, atavistischen, doch darum nicht weniger reizenden Händlerin auf dem Maybach-Markt erworben haben. Die Gastgeberin ließ uns allerdings nicht bloß durch die Blume wissen, dass sie Blumen, insbesondere Rosen und vor allem blaue Rosen prinzipiell ablehne, so dass Arthur den Strauß kurzerhand umwidmete und ihn seiner Freundin überreichte, begleitet von einer tiefen Verbeugung. Die Parallelen zur Elton-Marilyn-Diana-Affäre sind frappierend. Gleichwohl könnte die Stimmung bedrückender sein, obwohl ich keine Ahnung habe, was zwischen Arthur und der zukünftigen Mutter seiner Tochter eigentlich vorgeht. Charlotte sieht toll aus, man kann es nicht anders sagen. Sie schimmert geradezu, wirkt seltsam sanftmütig – ganz gleich, was Arthur so von sich gibt. Dimona steht ihr gut. Als einzige von uns vieren trinkt sie keinen Weißwein und lebt friedlich in ihrer besseren Bionade-Welt. Lulu hingegen erweist sich mal wieder als Anti-Charlotte.

„Kann bitte irgend jemand sofort diese Rosen entfernen?“ ruft sie jetzt.

Arthur tätschelt ihre Hand: „Wusstest du, dass Elton John einst in anderthalb Jahren fast 300.000 Pfund nur für Blumen ausgegeben hat?“

Lulu schlägt ihm mit ihrem heißen Käsepfännchen auf die Finger.

Er schreit auf: „Als ob ich nicht schon genug Verletzungen hätte! Aber ich lass’ mir den Mund nicht verbieten: Also, Elton wurde dann jedenfalls von seinem Finanzberater gefragt, ob er wirklich eine derart astronomische Summe in Blumen investiert hätte – und er antwortete nur: ‚Well, I like flowers’.“

Like a river that don't know where it's flowing
I took a wrong turn and I just kept goin'

„Warum ist dein Körper überhaupt so entstellt?“ fragt Lulu skeptisch. „Warst du in einem jüdischen S/M-Club?“

„Keine Details, bitte“, sagt Charlotte.

Ich trage nicht bei jedem Wetter Latexstiefel“, bemerkt mein Freund.

Einzig Arthur isst noch. Seine Freundin reibt sich seit längerem ihren hinreißenden Bauch, Lulu nimmt ohnehin keine Nahrung zu sich und ich habe ebenfalls bereits aufgegeben. Raclette ist schon eine fatale Sache. Doch Arthur hat weiterhin drei Pfännchen im Einsatz und schaufelt Käse in sich hinein, als wäre es seine Henkersmahlzeit.

„Arthur, du wirst bald fetter als Charlotte sein“, sagt Lulu.

„Ich mag Charlotte“, entgegnet er.

Seine Freundin quittiert dies mit einem müden Lächeln: „Ich hasse Bionade.“

Ich frage: „Lulu, wo hast du denn heute dein Palituch gelassen?“

„Ihr solltet mal Bionade mit Wodka probieren“, sagt sie.

„Was macht deine Kolumne?“

Lulu Lilienblum nennt sich zwar Schauspielerin, nachdem sie in einer Polizeiruf-Folge mal ein paar Sekunden als recht unislamisch bekleidete Leiche erschien, führt aber zugleich ein professionelles Leben jenseits der Kamera. So verfaßt sie zum Beispiel für das dubiose Magazin Delirious Dirt ein Weblog über ihr Liebesleben. Die Aufzeichnungen der Wiener Dirne Josefine Mutzenbacher muten dagegen wie Vorschullektüre an. Naturgemäß hören wir Lulus Geschichten immer wieder mit großer Begeisterung, am liebsten von ihr selbst. Heute beschreibt sie uns die neueste Episode, eine post-koitale Szene, in der ihr Kopf auf der schweißgebadeten Brust einer Ankerklausen-Bekanntschaft verharrt. Sie habe in diesem Moment, so Lulu, plötzlich ein ungewöhnliches Pochen und Vibrieren an ihrem Ohr wahrgenommen, das über den üblichen Herzschlag weit hinaus ging. Auf ihre irritierte Nachfrage hin, hätte ihr Lover ihr eröffnet, dass er seit einiger Zeit einen Herzschrittmacher tragen müsse – weil ihm die große Liebe seines Lebens gnadenlos das Herz gebrochen hätte und es nun eben nicht mehr richtig funktionieren würde. Darum der Herzschrittmacher, dessen Anschaffungskosten die Krankenkasse ihm aus unerfindlichen Gründen noch immer nicht erstatten wolle.

„So was kann nur ein Mann sagen“, behauptet Lulu.

Charlotte lacht: „Ich finde das eigentlich ganz charmant.“

Arthur befühlt seine lädierte Schläfe: „Das Herz ist so ziemlich das einzige, was mir nicht gebrochen wurde. Habt ihr während des Verkehrs wenigstens Tom Petty & The Heartbreakers gehört?“

Er füllt zwei Käsepfännchen mit Parmaschinken.

„Oder Heartbreak Hotel von Elvis ?“ ergänze ich.

„Arthur, hör auf zu essen“, sagt seine Freundin. „Du musst hier nichts beweisen.“

„Ich frage mich, was passieren würde, wenn man etwas Humus in einem dieser Pfännchen erhitzte“, sagt Arthur nachdenklich.

„Oder deine Traveling Wilburys-CD.“

„Das ist nicht witzig, Charlotte.“

„Von Frank Zappa gibt es einen Song mit dem Titel Broken Hearts Are For Assholes“, bemerkt Lulu.

Sie öffnet das Fenster, was das allgemeine Skihütten-Gefühl eher noch befördert, denn sofort strömt eisige Luft in den Raum. Ein Windzug bläst die Tischkerze aus. Lulu freut sich und gibt uns zum wiederholten Mal zu verstehen, dass auch Kerzen in jeder Form und Farbe mit ihren Prinzipien nicht vereinbar seien. Arthur isst und isst.

I met her in a Kingstown bar, we fell in love I knew it had to end

„Ich weiß auch nicht, warum ich immer so hungrig bin“, sagt er.

„In Eilat hast du an einem Tag mehr als achtzig Oliven gegessen“, bemerke ich.

„Früher war es noch schlimmer. Auf einer Kanutour in Norwegen habe ich als Teenager mal einen halben Elch verputzt.“

„Das glaube ich sofort.“

Mein Freund blickt melancholisch in die Runde: „Es war in jener Zeit, als ich in Oslo umherging und hungerte. In dieser seltsamen Stadt, die keiner verlässt, ehe er von ihr gezeichnet worden ist. Oder einen Elch verspeist.“

„Mich wundert wirklich, dass du nicht fetter bist“, bemerkt Lulu.

„Früher bin ich immer erst dann vom Tisch aufgestanden, wenn die körperlichen Schmerzen so stark wurden, dass ich mich unter keinen Umständen mehr bewegen konnte. Das hat sich ein wenig gebessert. Aber ich leide ja auch immer unter diesem unstillbaren Durst.“

Arthur und ich probieren jetzt ebenfalls die Wodka-Bionade-Mischung und fühlen uns auf der Stelle sehr erfrischt.

„Ich bin sozusagen“, fährt mein Gegenüber fort, „eine Art Anti-Hungerkünstler. Ich habe noch keine Speise gefunden, die mir nicht schmeckt. Bei Aldi ist mir das kürzlich wieder aufgefallen.“

„Erzählt doch mal von Israel“, bittet uns Lulu. „Habt ihr nur gefressen und gesoffen, oder was?“

„Meistens schon“, erwidert Arthur. „Es gibt wirklich nicht so viel zu erzählen.“

„Das stimmt“, sage ich. „Irgendwie ist die Zeit wie im Flug vergangen, ohne dass wir große Abenteuer erlebt hätten.“

„Seid ihr wirklich mit den Delphinen geschwommen?“ fragt Charlotte.

Wir nicken. Ich muss an die purpurfarbenen Berge Jordaniens denken, das lichtblaue Rote Meer.

„Dimona hätte das auch gefallen“, meint Arthur.

„Wem?“ Charlotte schaut leicht verunsichert.

„Kann bitte mal irgendjemand einen Kaffee kochen? Ich bin noch mit Essen beschäftigt.“

Lulu und ich gehen also in die Küche, wo sie mir kurz um den Hals fällt – warum auch immer. Vermutlich ist nur der brennende Wodka schuld. Ich weiß: Lulu zu lange zu umarmen, kann gefährlich sein. Zumindest für mich. Barfuss tanzt sie nun wild durch die Küche, die Espressomaschine röchelt. Als wir an den Tisch zurückkehren, sitzt Charlotte mit einer Gesäßhälfte auf Arthurs Stuhl und streichelt seinen Rücken. Mein Freund isst weiter im Stile eines ausgehungerten Nachkriegskindes.

„Hier. Jeder nur einen.“ Lulu platziert eine Pappbox neben der Kaffeekanne.

„Ich hasse Glückskekse“, sagt Arthur.

„Bitte vergiss nicht, den Zettel vor dem Verzehr herauszunehmen, Schatz“, bemerkt Charlotte sanft.

Lulu hat ihren Keks bereits zerbrochen und die Fragmente auf Arthurs Teller gelegt.

Sie beherrschen es“, liest sie vor, „Kritik mit Witz und Charme zu verpacken. Na, toll.“

„Meiner ist noch schlimmer.“ Ich bin enttäuscht. „Nur ein Narr glaubt, dass Preis und Wert identisch sind.“

„Was für Arschlöcher“, murmelt Arthur mit vollem Mund. „Das ist ja geradezu eine Unverschämtheit.“

Charlotte verweigert die Keksannahme und lässt sich selbst durch massiven Druck nicht dazu bewegen. Sie hätte mal schlechte Erfahrungen mit Glückskeksen gemacht, so Arthurs Freundin, und könne gerade unter den gegebenen anderen Umständen darauf verzichten, diese zu wiederholen. Arthur trinkt Kaffee, Wodka-Bionade und Riesling und stopft zugleich Unmengen von Käse in sich hinein. Mit einer feierlichen Geste zerbricht er das gelbe Gebäckstück.

„Oh.“ Seine Miene nimmt einen theatralisch verängstigten Ausdruck an. „Das kann nicht sein.“

„Was steht denn drauf?“

„Das ist nicht möglich“, sagt mein Freund.

„Arthur, bitte.“

„Hier steht: Love Will Tear Us Apart.“

„Du bist ein Idiot”, sagt Lulu.

Ich stimme ihr zu, Charlotte schaut ihren Freund prüfend an.

Arthur starrt auf das winzige Stück Papier in seiner Hand: „Doch. Natürlich. Hier steht’s rot auf weiß. Love Will Tear Us Apart.“

„Zeig mal.” Lulu greift nach dem Glückskeks-Zettel.

„Auf gar keinen Fall. Diese Botschaft ist nur für mich bestimmt.“

„Gib schon her!“

Doch noch bevor Lulu Arthur den Zettel entreißen kann, hat mein Freund jedes einzelne Keksbruchstück auf seinem Teller verschlungen – und stopft sich dann den Zettel in den Mund.

„Du bist krank“, sagt Lulu.

Charlotte zweifelt: „Du hast den jetzt nicht wirklich verschluckt, oder?“

Arthur spült mit Wodka hinterher, das Papier bleibt verschwunden.

„Wir werden dir ein Brechmittel einflößen“, droht unsere Gastgeberin.

Er schüttelt den Kopf: „Diese Glückskekse sind gespenstisch. Ich meine: Wer ahnt denn so etwas!“

Everybody's got a hungry heart, everybody's got a hungry heart.

Zwei Stunden später: Das Raclette ist ähnlich wie Dianas Leichnam im Erkalten begriffen, in Lulus Wohnung indes herrscht erhöhte Temperatur. Arthur liegt nebenan, auf dem Futon, und schnarcht wie ein russischer Bär. Mitunter hört man ein Stöhnen, vereinzelt unverständliche, im Tiefschlaf ausgespuckte Worte.

„Sollten wir nicht vielleicht einen Arzt holen?“ fragt Charlotte.

„Du spinnst ja“, erwidert ihre Freundin.

„Besser einen Totengräber“, sage ich.

Ich bin inzwischen wirklich sehr betrunken, Lulu steht mir in nichts nach. Einzig Bionade-Charlotte ist noch bei Sinnen, tanzt aber trotzdem ausgelassen mit uns zu Supremes- und Siouxsie-Songs. Aprés-Ski-Stimmung vom Feinsten. Lulu zückt irgendwann ihr Powerbook und lädt eigens um den schlafenden Arthur zu ärgern, die 1997er-Diana-Version von „Candle in the Wind“ aus dem Netz herunter. Und während die Gastgeberin wortgewaltig mit ihrem Herzschrittmacher telefoniert, tanzen Charlotte und ich engumschlungen zu Eltons bittersüßer Melodie. Mir fällt auf, dass ich zum ersten Mal mit einer schwangeren Frau tanze, zumindest bewusst, und es fühlt sich ziemlich gut an. Never fading with the sunset when the rain set in. Sie berichtet mir von ihrem Sommer, von ihrer Agentur-Misere. Dass übergroße Kleid was sie trage, erzählt Charlotte, habe Arthur ihr aus Tel Aviv mitgebracht. Es ist mir völlig schleierhaft, wann mein Freund diesen Einkauf getätigt haben soll. Vielleicht am letzten Vormittag, das wäre möglich – nach Breakfast Club und Jewish Princess. Allerdings besaß er zu diesem Zeitpunkt schon keinen einzigen Schekel mehr, es könnte sich also um Diebesgut handeln. Nun, Charlotte, die wärmer ist als eine Wärmflasche, wäre das wahrscheinlich auch egal: Nur ein Narr glaubt schließlich, dass Preis und Wert identisch sind.

„Seit ihr zurück seid“, sagt sie plötzlich, „haben Arthur und ich noch nicht eine einzige Nacht zusammen verbracht.“

„Heute schläft er wohl bei Lulu“, sage ich und stoße im Tanzen eine Kerze um.

Charlotte schaut mich direkt an, während wir einander in den Armen liegen, mit schmerzhafter Intensität. Ich wende mich ab, blicke nach draußen. Die Fenster der Nachbarn sind hell erleuchtet.

Was ist in Israel eigentlich passiert? fragt sie mich.


Balagan Blues kann nicht umhin, auf folgenden hilfreichen Link zu verweisen:

http://iq.lycos.de/qa/show/405173/Was+ist++eine+%2522Postmoderne+Frau%2522%253F/

Samstag, 8. September 2007

Spandau Ballet

„Was ich haben will, das krieg’ ich nicht“, sagt Arthur und wirft noch ein Eurostück in den Flipper. „Und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.“

„Was hast du denn bestellt?“

„Ein Beck’s. Ein Beck’s vom Fass. Und was bringt sie mir? Ein Beck’s Gold. In der Flasche.“

„Das ist in der Tat eine Unverschämtheit“, sage ich.

„Ich will sofort zurück nach Israel.“ Der Flipper, ein Batman-Modell, gibt ein infernalisches Geräusch von sich. Mein Freund fährt fort: „Eine israelische Kellnerin hätte sich einen derartigen Fauxpas niemals erlaubt. Und selbst wenn, hätte sie mich garantiert nicht so vorwurfsvoll angeschaut. Berlin-Mitte ist wirklich das Allerletzte.“

„Ist das hier überhaupt noch Mitte?“ frage ich.

Wir befinden uns in jenem Teil der Stadt, der neuerdings unter dem armseligen Akronym NoTo firmiert: North of Torstraße. Eigentlich wollten wir frühstücken, doch Arthur frühstückt ja nie, außer im Breakfast Club, Tel Aviv. Zudem sieht das hier eher aus wie eine Eckkneipe, in der man ohnehin keine Croissants essen würde, auch wenn die Kellnerin eindeutig ein Mitte-Mädchen ist und die Goldvariante von Beck’s sich erschreckender Beliebtheit erfreut. Doch wo gibt es sonst schon noch einen Flipper? Der Flipper an sich teilt das Schicksal des Blauwals und des deutschen Volkes und ist, soviel steht fest, von der Auslöschung bedroht. Ein Fernseher läuft, tot und stumm. Ich bestelle einen Kaffee.

„Wie lange flipperst Du hier schon?“

„Seit heute morgen um neun“, erwidert Arthur. Sein Auge ist inzwischen dunkelgelb, die Schrammen sind immer noch gut zu erkennen.

„Hast du geschlafen?“

„Ich treffe mich morgen mit Charlotte“, sagt mein Freund.

„Was hat sie denn auf deine sms geantwortet?“

„Sie meinte nur, wir könnten ja vielleicht mal eine Bionade zusammen trinken gehen. Heute pennt sie bei Lulu.“

„Nachher spielt England gegen Israel“, sage ich. „Wembley wird wanken. Während du hier geflippert hast, war ich übrigens auf den ‚Kreuzberger Festlichen Tagen’.“

Tristesse totale: ein augenscheinlich vom Sofortzerfall bedrohter Jahrmarkt im Viktoriapark, um 10 Uhr morgens, im kalten Sprühregen. Der Park war leer. Alle Fahrgeschäfte standen still, nur ein paar türkische Kinder spielten mit den toten Autoscootern. Der Losverkäufer nahm einen großen Schluck Schnaps. Man konnte förmlich fühlen, wie dieser Jahrmarkt vor sich hinfaulte.

„Das Schaustellergewerbe ist – noch vor dem horizontalen – das elendigste Metier weit und breit“, schließe ich meinen Bericht. „Ich habe John Barry gehört und bin von Karussell zu Karussell gegangen. Im Regen.“

„Klingt romantisch.“

„Heute abend singt der Chor der Deutschen Bahn. Daran ist überhaupt nichts romantisch.“

„Vielleicht haben sie ‚Hatikva’ im Repertoire.“ Arthur lächelt sanft.

„Du hast recht“, sage ich, „Berlin ist die Hölle. Ich will auch zurück nach Tel Aviv.“

Mein Freund bestellt sich ein weiteres Bier.

„Hast du deine Annonce schon aufgegeben?“ will ich wissen.

„Ich muss mit dir reden.“

„Okay.“

„Wir sollten unbedingt noch mal über Chris de Burgh sprechen.“

„Auf gar keinen Fall.“ Ich muss unwillkürlich an die Toilette im Breakfast Club denken – zwei Quadratmeter, die ich in diesem Leben bitte nicht mehr wiedersehen möchte.

„Doch. Ich habe nachgedacht. Die New Romantics. Duran Duran und Lady Di.”

„Kannst du mal bitte mit dem Flippern aufhören?“

„‚Lady in Red’ war Dianas Lieblingslied.“ Arthur lässt sich nicht beirren. „Sie dachte sogar, Chris de Burgh hätte es für sie persönlich geschrieben. Hatte er aber gar nicht.“

„Wie ärgerlich. Seit wann interessierst du dich für Princess Diana?“

„Es ist jetzt genau zehn Jahre her, dass in den Straßen von Paris endlich wieder blaues Blut verschüttet wurde.“ Mein Freund will mit mir anstoßen, doch ich habe ja nur meinen Kaffee. „Damals waren wir beide fast noch Teenager. Da kann man sich schon mal einen kleinen Rückblick gestatten.“

„Von mir aus.“

„Diana ist für mich genau wie der Song ‚Lady in Red’ ein besonders abstoßendes Beispiel für diese so genannte Romantik, die gar keine ist. Im Gegenteil: Es ist eine falsche, gemeingefährliche Anti-Romantik, die die Köpfe und Herzen verklebt und nicht befreit.“

Ich weiß nicht, was mit Arthur los ist. Seit sein blutverklebter Kopf in der Jewish Princess-Bar auf den Tresen geknallt ist, verhält er sich einigermaßen bizarr. Geradezu unpostmodern, könnte man sagen.

„Warum redest du plötzlich immer von Romantik?“ frage ich ihn. „Wenn Tony Wilson und Factory romantisch sind, können Diana und Chris de Burgh es natürlich nicht sein. Schon weil es hier um Beton und Industrie geht und nicht um englische Gartenromantik.”

„Aber Dianas Lieblingsband waren Duran Duran. Die Speerspitze der New Romantics. Auf dem Rückflug habe ich einen Artikel gelesen, der schilderte, wie diese einsame, magersüchtige Prinzessin alleine und barfuss durch den Buckingham Palace tanzt, bevor sie es sich mit einem Fertiggericht vor dem Fernseher bequem macht. Und zu welcher Musik tanzt sie?“

„Duran Duran. Klar. Ich muss sagen, diese Szene wirkt auf mich schon fast wieder romantisch.“

„Na ja“, erwidert Arthur nachdenklich. „Die Bezeichnung New Romantics ist auf jeden Fall anmaßend. Nur weil man sich kostümiert und drei Stunden lang schminkt und föhnt, ist man noch lange nicht romantisch. Duran Duran. Spandau Ballet. Das sind doch alles Pornographen.“

„Der Name ‚Spandau Ballet’ ist übrigens gar nicht so beschissen, wie wir dachten.“

Arthur bittet die Kellnerin um Wechselgeld.

„Hörst du mir zu?“ Ich tippe ihn an. „In Wahrheit ist der Name eine Art Gegenstück zu ‚Joy Division’. Er bezieht sich nämlich auf das Spandauer Alliiertengefängnis, wo die in Nürnberg verurteilten Super-Nazis einsaßen.“

„Ernsthaft?“

„Ja. Und das so genannte ‚Spandau Ballet’ wurde immer dann aufgeführt, wenn sich mal wieder ein Häftling erhängt hatte. Er baumelte dann in seiner Zelle in der Luft, am Ende des Stricks, und tanzte eben das ‚Spandau Ballet’.“

Arthur starrt mich mit seinem Monsterauge an: „Das glaube ich nicht.“

„Musst du ja nicht. Rudolf Hess war der letzte Tänzer. Der einzige verbliebene Häftling in diesem riesigen Knast. Bis er sich aufgehängt hat.“

„Wie Ian Curtis“, murmelt mein müder Freund, während er weiterhin flippert und flippert. „Und Diana war die letzte Tänzerin in ihrem riesigen leeren Prinzessinnenpalast. The Princess Has Come Of Age. Vielleicht sollten wir da mal hinfahren. Nach Spandau.“

Ich schüttele den Kopf: „Da ist nichts mehr zu sehen. Nicht mal Ruinen. Das ganze Gebäude wurde praktisch pulverisiert und über der Nordsee verstreut. Damit kein Staubkorn übrigbleibt. Heute ist da nur eine Aldi-Filiale.“

„Vielleicht sollten wir trotzdem hinfahren. Dann gehen wir eben zu Aldi. Schön, dass wir wieder in Deutschland sind.“

„Wir sind in NoTo“, sage ich fröstelnd. „Ich glaube, ich nehme jetzt auch ein Bier.“

„Scheiße!“ Arthur tritt gegen das blinkende Spielgerät. „Kein Freispiel mehr!“